„Wer Gedenken will, soll aufklären!“ – Diese klaren Worte von Melek Bektaş, der Mutter des in Neukölln ermordeten Burak Bektaş, bringen auf den Punkt, worum es in dieser Folge geht.
Während der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex seinem Ende zugeht, ziehen wir eine ernüchternde Bilanz: Staatliche Aufklärung rechter und rassistischer Gewalt und Konsequenzen für das Fehlverhalten der sogenannten Sicherheitsbehörden finden meist nicht statt. Stattdessen erleben Betroffene „Kälte, Herzlosigkeit, Anstandslosigkeit“ (Initiative zur Aufklärung am Mord an Burak Bektaş). Daher haben Betroffen und Initiativen in anderen Fällen die Aufklärung selbst in die Hand genommen.
Von Hanau über Dessau bis nach Neukölln: Diese Folge zeigt, wie Betroffene und Aktivist*innen eigene Wege der Aufklärung gehen. Wir sprechen mit Hagen Kopp von der Initiative 19. Februar Hanau über eine „Kette des Versagens“ staatlicher Aufklärung und warum sie trotz ausbleibender juristischer Konsequenzen weitermachen.
„ […] wir haben sehr schnell zusammen mit den Angehörigen verstanden oder verstehen müssen, dass eine wirkliche Aufklärung der Behörden in der Polizei offensichtlich nicht gewollt war und haben dann sehr schnell angefangen, selbst zu recherchieren.“ Hagen Kopp von der Initiative 19. Februar Hanau
Vanessa E. Thompson ist Mitglied der intern. unabhängige Kommission zur Aufklärung des Todes von Oury Jalloh. Sie erklärt, wie zivilgesellschaftliche Aufklärung einen grundlegend anderen Ansatz verfolgt als staatliche Institutionen und warum Betroffene die wahren Expert*innen sind.
Die Folge beleuchtet innovative Ansätze wie die Arbeit von Forensic Architecture, die mit 3D-Modellierungen und technischen Methoden staatliche Vertuschung aufdecken. Wir erkunden die Arbeit der verschiedene Initiativen, die versuchen, staatlicher Nicht-Aufklärung etwas entgegenzusetzen. „Wir machen uns nicht mehr abhängig davon, was die Justiz macht“ – so beschreibt die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh ihren Ansatz. Denn zivilgesellschaftliche Aufklärung stellt die Stimmen der Betroffenen ins Zentrum und benennt strukturellen Rassismus beim Namen.
Eine Folge über Mut, Widerstand und die Kraft der Betroffenen – denn Aufgeben ist keine Option!
Original Bild: Dietrich Brants und Jan Tussing, Doku-Serie „Die Lücke von Hanau”, 2022, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2022, Photo: Norbert Miguletz, © Frankfurter Kunstverein.
Links und Quellen
Initiative Gerechtigkeit für Lorenz (Instagram)
Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ (YouTube)
Unsere Folge „Das ist Polizeistaatsdenken“
Forensic Architecture Untersuchung (YouTube)
https://kein-abschlussbericht.org/
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh (YouTube)
Mouctar Bah über den Kampf um Aufklärung
Abolitionismus Reader (Rosa Luxemburg Stiftung)
Übersetzung der englischen O-Töne von Forensic Architecture
„And this is really the heart of what counter forensics is. Counter forensics comes not to replace police investigations. In fact, in counter forensics, very often it is the state institution, like the police, like the court, like the secret services of all their different variations that are those that are being investigated.“
→ „Und genau das ist der Kern der Gegenforensik. Die Gegenforensik ersetzt nicht die polizeilichen Ermittlungen. Tatsächlich sind es in der Gegenforensik sehr oft staatliche Institutionen wie die Polizei, die Gerichte oder die Geheimdienste in all ihren verschiedenen Ausprägungen, die Gegenstand der Ermittlungen sind.“
„What you see here is an actor who is wearing a camera mounted on his head at the eye height of Andreas Temme, who is also reenacting his movements moment by moment as Temme reenacted them on his own video. […] The body was clearly visible in both cases. We have thus determined with a high degree of certainty that Temer’s testimony is untruthful. Thank you.“
→ „Was Sie hier sehen, ist ein Schauspieler, der eine Kamera auf seinem Kopf in Augenhöhe von Andreas Temme trägt und dessen Bewegungen Moment für Moment nachstellt, so wie Temme sie in seinem eigenen Video nachgestellt hat. […] In beiden Fällen war der Körper deutlich zu sehen. Wir haben daher mit hoher Sicherheit festgestellt, dass Temmes Aussage unwahr ist. Vielen Dank.“
Hier geht es zum Skript der Folge:

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